Ein Geschenk - Eine kleine Geschichte über die Anbindung zur Natur

Der Vollmond naht, Kälte zieht ein. Mein Körper zwingt mich zur Ruhe. Ich gebe sie ihm. Doch der Geist, die Seele ziehen ruhelos umher. Innenschau, nach innen schauen wird gefordert. So viele Eindrücke, Informationen, Einflüsse. Es fällt manchmal schwer zu ordnen, zu erspüren, was ich in mich hineinfließen lassen darf und was wieder davon ziehen soll.

 

Mit Sehnsucht im Herzen wandere ich der Morgensonne entgegen. Es zieht mich zum See. Nebelschwaden liegen über dem eisblauen, tiefen Gewässer. Es hat sich Eis gebildet im angrenzenden Bach. Rätselhafte Strukturen, Zeichen bildet das Gefrorene.

Ich lasse mich nieder, zünde Kohle an, räuchere. Eine Schwanenfeder fügt sich ins metallische Bild.

Mein Blick schweift über das glitzernde Wasser. Was soll ich tun, gehe ich den richtigen Weg? Diese Sehnsucht, Einsamkeit die mich manchmal überfällt, was will sie mir sagen?

Nichts, keine Antwort. Ich bereite mich zum Gehen vor. Die Kohle wird vom Seewasser umspült, der Rauch löst sich auf.

Ich sitze noch einmal kurz, gedankenverloren.

Da plötzlich. Ein Windhauch hinter mir im Schilf. Es raschelt, ich wende mich um. Eine Präsenz ist spürbar, das Schilf biegt sich, als ob jemand mit der Hand durchstreift.

Mein Blick fällt mit einem Mal in die Richtung des Windes. Da, auf den Kieseln, liegt ein Auge. Ein Auge aus Holz.

So plötzlich wie er gekommen ist, verschwindeet der Windhauch.

Ich nehme es an mich. Eine Botschaft taucht in meinem Inneren auf: schau in dich, das "Sehen" ist dein Weg. 

Ich bin tief berührt und gehe mit einem warmen Gefühl im Herzen nach Hause.

Doch die Innenschau ist eine Prüfung. Das Auge lädt mich nicht zur Rast ein, es lässt mich nicht wegschauen. 

Nur wer selbst durch Schmerz, Einsamkeit oder Orientoierungslosigkeit gegangen ist, kann Wege finden hindurch zu führen.

Danke für dieses Geschenk, das Auge erinnert mich daran, das wir immer "gesehen", "gehört" und wahrgenommen werden in unserer Ratlosigkeit. Das da eine Präsenz ist, die auf uns schaut, die weiß.

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